Zeno Clash - Fluch oder Segen

Vor einiger Zeit schlenderte ich so durch Media Markt und schaute mich ganz unverbindlich bei den Videospielen um. Da entdeckte ich es: “Zeno Clash“. Ich kann nicht genau sagen warum ich nach dem Spiel griff um mir die Rückseite an zu gucken, ich weiß nur noch, das ich es getan habe. Die Rückseite hat mich von den Qualitäten des Spiels überzeugt. Was genau mich überzeugt hat es zu kaufen und ob es meine Erwartungen erfüllt hat werden die folgenden Zeilen verraten.

Ich griff also nach der Verpackung und las was auf der Rückseite steht. Und was bekam ich da zu lesen? Ich zitiere: „Zeno Clash ist ein einzigartiges Kampfspiel mit FPS-Elementen. Das Spiel besteht vor allem aus Nahkämpfen sowie Kämpfen mit unkonventionellen Schusswaffen“, soweit so gut. Auch wenn ich nicht genau wusste was FPS bedeutet, (es heißt natürlich First Person Shooter wie mir später einfiel) war mein Interesse geweckt. Gut gemachte Nahkämpfe sind in Spielen selten zu finden und unkonventionelle Waffen liest man auch gern, wenn man sonst das Gefühl hat in Spielen schon alles gesehen zu haben. Aber das ist noch nicht alles, der Text geht noch weiter: „Zeno Clash wurde für den Preis „Excellence in Visual Art“ beim Independent Games Festival nominiert, und seine spektakuläre Grafik und sein visueller Stil bringen frischen Wind in das Genre der Fantasy-Spiele. Auch die innovativen Nahkampf Techniken weichen von traditionellen FPS-Spielen ab und werden sich für neue wie erfahrene Spieler neuartig anfühlen.“ Also das hat mich überzeugt. Das versprach eine ganz neue Spielerfahrung zu werden und das für nur ca. 25 €. Rechts am Rand sind die Features noch einmal zusammengefasst. Im wesentlichen steht da nochmal alles was der Text bereits anspricht. Hinzu kommt noch das mir eine „Vielschichtige Story“ versprochen wird. Lange rede kurzer Sinn, ich kaufte mir das Spiel und ging damit nach hause.  

Kommen wir also zum wesentlichen, wie ist das Spiel denn nun? Zunächst einmal ist zu sagen das Spiel läuft über Steam. Im Gegensatz zu vielen anderen, bin ich die meiste Zeit mit Steam zufrieden, von daher sehe ich das eher als plus Punkt. Beim starten des Spiels und nach aufrufen einiger Menüs erkennt man gleich das es die Source Engine benutzt, was ebenfalls positiv ist. Denn auch wenn die Source Engine schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat sieht sie immer noch sehr schön aus. Mit anderen Worten, an der Grafik von Zeno Clash ist nichts auszusetzen. Es lief ohne Ruckler oder irgendwelche Abstürze.

Die Optik des Spiels hebt sich angenehm vom Einheitsbrei anderer Spiele ab, ist jedoch nicht jedermanns Sache. Es ist wirklich eine Skurrile Welt die den skurrilen Namen „Zenozoik“ trägt. Sowohl Flora als auch Fauna habe ich so noch nie in einem Spiel gesehen. Aber auch die Charaktere die vorkommen sind sehr abgefahren und eigentlich möchte man mehr über sie erfahren. So komme ich auch zu meinem ersten Kritikpunkt, die Charaktere sind zwar interessant, aber man bekommt nicht die Möglichkeit mehr über sie zu erfahren, als ein paar Sätze die der Hauptcharakter über sie verliert. Zum Beispiel leben in einem Wald den man durchqueren muss, „Menschen“ von denen jeder eine gewisse Eigenheit hat. Da ist zum Beispiel einer der geht immer Geradeaus, egal was kommt. Ein anderer will unsichtbar sein und sticht deshalb jedem die Augen aus. Ich hätte gern mehr über diese Freaks gewusst. Warum sind die so drauf? Ich werde es nie erfahren. Insgesamt finde ich die Spielwelt aber sehr gelungen und hätte gern mehr Zeit dort verbracht und vor allem mehr darüber erfahren. Andererseits ist es auch ein Stück weit der Charme des Spiels, dass man eigentlich die ganze Zeit keine Ahnung hat was da eigentlich vor sich geht.

Kommen wir zur Vielschichtigen Story. Das Spiel beginnt mit dem Mord der Hauptfigur Gath an einem Wesen namens „Vater-Mutter“ (bzw. Father-Mother denn das Spiel hat nur eine Englische Sprachausgabe, mit deutschem Untertitel). Vater-Mutter ähnelt in seinem Erscheinungsbild einer Mischung aus Mensch und überdimensionalem Vogel. Vater-Mutter ist sowohl Vater als auch Mutter vieler Kinder die demnach alle Geschwister sind, Gath ist eines dieser Kinder. Demnach tötet er sein eigenes Vater-Mutter. Natürlich gefällt das seinen Brüdern und Schwestern nicht woraufhin diese Gath nach dem Leben trachten. Mit beginn des eigentlichen Spiels befindet man sich auf der Flucht vor seinen Geschwistern. Eine Frau namens „Deadra“ flieht mit dir gemeinsam und wenn ich das richtig verstanden habe sind Gath und Deadra ein Paar. So beginnt die Geschichte, man ist auf der Flucht vor seinen Geschwistern. Die Erzählstruktur entwickelt sich daraufhin folgender maßen. Deadra fragt Gath irgendwann warum er Vater-Mutter denn überhaupt umgebracht hat. Anschließend fängt er an zu erzählen was er getan hat bevor es zu dem Kampf mit Vater-Mutter kam. Man spielt von da an abwechselnd in der Gegenwart und in der von Gath erlebten Vergangenheit bis zum Mord an Vater-Mutter. Es stellt sich heraus das Gath das große Geheimnis von Vater-Mutter herausgefunden hat und dieses nun damit konfrontieren wollte. Gath macht jedoch aus dem Geheimnis ein Geheimnis und will es Deadra nicht verraten. Auch als Spieler bleibt man im Unklaren. Am Ende des Spiels wird das Geheimnis dann doch gelüftet und ich muss leider sagen es hat mich nicht so sehr vom Hocker gehauen wie ich es gerne gehabt hätte. Denn die angekündigte vielschichtige Story ist nicht wirklich vielschichtig. Zumindest nicht in dem Sinne als das ich wirklich in die Geschichte eintauche und mich als Teil dieser Geschichte fühle. Die Geschichte hat zwar Wendungen und Überraschungen, aber sie war mir im wesentlichen egal. Als ich zum Beispiel in Gothic(Teil 1) erfahren habe das der Schläfer in Wahrheit ein Erzdämon ist und hinter dem Missglückten Barrierezauber steckt, der das Minental erschaffen hat, war ich wirklich mitgerissen. Zeno Clash hingegen hat es nicht geschafft, dass ich unbedingt wissen will wie es weiter geht und, dass mich die Ereignisse wirklich berühren. Die Erzählstruktur hat mir allerdings gut gefallen. Diese Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit haben die Geschichte Stück für Stück, wie ein Puzzle, zusammengesetzt.

Es bleibt noch über das Gameplay zu sprechen. Wie das Cover bereits ankündigte besteht das Spiel aus einer aneinander Reihung von Kämpfen die wiederum von cutscenes getrennt sind. Der Spielverlauf ist Geradlinig und in Level unterteilt. In jedem Level kämpft man gegen irgendwelche Gegner. Die Gegner unterscheiden sich von Level zu Level, wiederholen sich jedoch auch. Zum Beispiel Kämpft man immer wieder gegen seine Geschwister oder komische Vögel die verkrüppelte Flügel haben. Hin und wieder gibt es auch Endgegner diese sind allerdings kein Highlight. Die meisten bieten einem einen normalen Kampf und sind lediglich etwas bessere Kämpfer und halten mehr aus. Das Kämpfen an sich erfüllt nicht die Erwartungen die das Cover in mir geweckt hat. Die Möglichkeiten die einem im Kampf zur Verfügung stehen sind klassisch: Schnelle aber schwache Kombos, starke aber einzelne langsame Schläge, Blocken, Blocken mit Konter, Ausweichen und ausweichen mit Konter, außerdem lassen benommene Gegner sich Werfen bzw. man kann ihnen sein Knie ins Gesicht rammen. Alternativ kann man sie auch einfach noch mal schlagen, was dazu führt, dass sie ein paar Meter Fliegen. Bei den Starken angriffen lässt sich die Art des Schlages mit Hilfe der Pfeiltasten etwas variieren. Das war es dann auch schon was den Nahkampf angeht. Im Grunde lässt sich das ganze Spiel mit wildem Geklicke bewältigen. Wenn man versucht geschickt zu blocken, auszuweichen und anschließend zu Kontern, kommt man zwar auch ans Ziel, aber so es ist wesentlich Schwieriger und befriedigt nicht wirklich. Also die Aussage das Kampfsystem würde sich auch für erfahrene Spieler neuartig anfühlen ist einfach gelogen. Assassin´s Creed bietet beispielsweise im Kampf exakt die gleichen Möglichkeiten und fühlt sich auch ähnlich an. Assassin´s Creed inszeniert die Kämpfe aber wesentlich besser als Zeno Clash, darum machen die Kämpfe in Assassin´s Creed Spaß, die Kämpfe in Zeno Clash hingegen kaum. Kommen wir zu den unkonventionellen Waffen. Die Waffen in Zeno Clash sehen tatsächlich anders aus als alle Waffen die ich je gesehen habe. An dieser Stelle Endet aber auch schon die Unkonventionalität. Im Grunde sind es normale Waffen die lediglich anders aussehen. Es gibt einen Granatenwerfer, Granaten die aussehen wie Totenköpfe, eine Armbrust, ein Gewehr usw. Alle Waffen haben unendlich Munition und laden nicht automatisch nach. Man kann immer nur eine Waffe tragen und in jedem Level müssen Waffen neu aufgesammelt werden, bzw. man hat manchmal schon eine in der Hand. Unter unkonventionell verstehe ich was anderes. Allerdings muss man sagen ist es auch schwer Waffen zu erfinden die es nicht in ähnlicher Form schon gegeben hat. Mir fällt auf die schnelle keine Art von Waffe ein die es nicht schon in spielen gegeben hat. Klar kann ich eine AK nehmen und es mit „wasauchimmer“ anstelle von Kugeln schießen lassen. Es ist dann zwar irgendwie anders, aber immer noch eine AK.

Kommen wir zum Fazit: Das Spiel hält leider nicht was es verspricht. Ich hab es durchgespielt und werde es vermutlich nicht noch einmal spielen. Die Spieldauer beläuft sich auf einige Stunden. Ein Wochenende reicht um es durchzuspielen. Die Spieldauer ist für den Preis aber in Ordnung. Es gibt neben dem Story Modus einen weiteren Spielmodus den man freischalten kann indem man die Story spielt. In diesem geht es lediglich ums Kämpfen gegen Wellen von Gegnern auf Zeit. Dieser Modus soll Langzeitmotivation bieten. Allerdings tut er dies nicht weil die Kämpfe wie bereits gesagt keinen außerordentlichen Spaß machen. Zeno Clash ist ein Spiel das man mal gespielt haben kann, aber auf keinen Fall ein Pflichtkauf. Allerdings sehe ich da ein großes Potential verschenkt. Wäre Zeno Clash ein Rollenspiel mit einer offenen Spielwelt, jede menge Kampfmoves die man lernen kann und zahlreichen Nebenquests rund um die Welt und seine Bewohner, wäre es ein echt gutes Spiel geworden.  

 

Auf der Hompage gibt es einige Screenshots die einen eindruck davon vermitteln wie es in Zenozoik aussieht

http://www.zenoclash.com/

1 Kommentar 26.7.10 20:46, kommentieren